SAC Sektion Zermatt

Tourenbericht

Weissmies 4017m, 31. August 2014 → Fotos

Leitung:
Valentin Jentsch
Seilschaft 1:
Urs Lauber, Renate Schweizer, Tim Locher, Gery Locher
Seilschaft 2:
Valentin Jentsch, Martin Siegwart, Andrea Kuster, Katharina Kuster

Nachdem die geplanten Touren aufs Nadelhorn und den Tödi infolge des nassen Sommers „ins Wasser gefallen waren“, wollte ich doch noch wenig­stens einen höheren Gipfel bestiegen haben. Der Wetter­bericht für den 31. August war gut und als Valentin noch einen zweiten Seil­führer gefunden hatte, freute ich mich auf die Bergfahrt. Je mehr aber das geplante Datum näher rückte, umso schlech­ter wurde die Wetter­prognose. Wenig­stens war die Unter­kunft in Hohsaas mit dem freund­lichen Personal bereits ein kleines Highlight, konnte ich doch als Üsser­schwyzer Saas–Grund vom Aargau aus nicht bereits um 7.20 Uhr erreichen wie die anderen. Am nächsten Tag zeigten sich über­raschen­der­weise alle Gipfel frei von Wolken – darüber befand sich aber noch eine hoch­lie­gende Wolken­decke – dies liess die Hoffnung aufkommen, dass die Bestei­gung doch noch gelingen könnte.

Kurz vor 8 Uhr trafen Valentin Jentsch und seine Gruppe mit der ersten Bahn ein und sogleich machten wir uns auf den Weg. Die ob­genann­te Wolken­decke riss bald auf und schönes Wetter begann zu domi­nie­ren. Ein Geschenk des Himmels! Wenn das nur gut ging: Ein klein­gewach­sener Senior mit 73 Lenzen zusammmen mit viel jüngeren, gross­gewach­senen Kameraden, dazu noch meist Wallisern. Im Grunde genommen hatte ich aber gewünscht, einmal mit Ein­heimi­schen zusammen unterwegs zu sein.



Nach dem Anseilen gings los; zuerst in den Gletscher­kessel hinein und dann hinauf zum Durch­schlupf, welcher zur Schulter des Berges und dann schluss­endlich auf dessen Grat führt. Drei Stellen sind heikel: Die Rampe des Durch­schlupfes, dann eine mächtige Spalte, die über eine schmale Schnee­brücke gequert werden muss und weiter oben ein steiler Hang, wo man sich besser keinen Aus­rut­scher erlaubt, weil eben dieser Hang unten nicht ausläuft. „Da musst du dann beim Absteigen besonders vor­sich­tig sein“, dachte ich mir. Oben auf der Schulter ange­kommen, gönnten wir uns eine kurze Rast. Ja, der Berg ist nicht mehr derselbe wie in früheren Jahren, ich hatte denselben mehrere Male bestiegen. Damals war der Abstieg über den Gletscher noch problem­los. Infolge des Gletscher­schwundes musste eine neue Route gefunden werden, was nicht ohne die oben beschrie­benen aus­gesetz­ten Stellen möglich war. Im Nach­hinein erinnert mich die steile Schulter-Passage viel eher an die Bestei­gung des Grand Combin.

Ich bin es mir gewohnt, langsam, aber dafür in gleich­mässigem Tempo empor zu steigen. So vermag ich es durch­zuziehen. Für die beiden jungen Damen hinter mir schien der Aufstieg keine grosse Anstren­gung zu sein, denn sie fanden noch die Kraft, sich dabei zu unter­halten. Bald lag der herrlich weisse Gipfel­grat im Sonnen­licht vor uns. Ein kalter Wind begann zu blasen. Oben angelangt freuten wir uns an der Rundsicht: Hinter dem Dürren­horn schaute das Weisshorn hervor und auf der anderen Seite „posierte“ das Bietsch­horn, nebst all den anderen Gipfeln, insbe­sondere von Mischabel­gruppe und Monte-Rosa­gebiet.


Ein nun durch­dringen­der Wind blies hier oben und von Italien her drückte eine hohe Wand aus Kumulus­wolken herüber; sie begann langsam die Monte-Rosa-Gipfel ein­zuhül­len. Nach dem Gruppen­foto hiess es daher nur noch „embri“ (hinunter). Unterwegs schoss Urs noch ein Bildchen von uns im Abstieg. Dass ich dazu den Bericht schreiben würde, hatte ich noch nicht geahnt. Die Damen vor mir schlugen ein zügiges Tempo an und ich wollte es ihnen gleich tun; dabei dachte ich ans Skifahren. Eine Zeit lang ging alles gut, aber als die Spur ein Rechts­biegung machte blieb eines meiner 12-Zack-Steig­eisen im Harst­schnee hängen und eh ichs mir versah, lag ich Kopf nach unten im Schnee. Danke Valentin und den beiden Damen, dass ihr mich gehalten habt! Zum Glück ist dies nicht an einer der ausge­setzten Stellen passiert. Was hat doch der weise König Salomo gesagt: „Hastige Füsse treten fehl.“ Etwas Gutes hatte der Sturz trotzdem: Er mahnte mich erneut, unten an der Schulter-Passage vorsich­tig zu sein. Das ist dann auch, den Anwei­sungen der Seil­führer gemäss Schritt für Schritt, gut gegangen. Das Wetter hatte gehalten und wir hatten insge­sammt etwa fünf Stunden benötigt.

Danke Valentin, danke Urs, dass ihr euch die Mühe genommen habt, diese Tour durch­zuführen und uns damit eine Freude zu bereiten. Beim Losseilen wurde ich dann von Valentin über­raschen­der­weise angefragt, ob ich den Bericht über diese Tour abfassen würde. Nun, hier ist er!

Bericht: Martin
Fotos: Urs